Der folgende Artikel wurde von der Zeitschrift tauchen, Jahr-Verlag Hamburg, in der Ausgabe 3/97 veröffentlicht.


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Hinweis zur Aktualität im Jahr 2010: Die beschriebenen gesetzl. Grundlagen und Leistungsarten der erwähnten Versicherungen sind nach wie vor gültig. Die von den Versicherungsgesellschaften angegebenen Daten können sich geändert haben.

© 1997 Heinrich Heintzmann, 35274 Kirchhain

Von schlimmen Tauchunfällen
hat ja jeder Taucher schon mal was gehört. Aber das betrifft ja meistens nur die anderen und man selbst denkt sich "Das kann mir doch nicht passieren,ich bin doch nicht leichtsinnig". Daß aber nicht nur Leichtsinn, sondern auch starke Strömung und ein ungewöhnliches Tauchprofil selbst beim Nullzeittauchen zu einem Unfall führen kann, mußte ich kürzlich selbst in Spanien erleben: Drei Stunden nach dem Tauchgang bekam ich sehr unangenehme Taucherflöhe, die nicht von allein verschwanden, so daß ich mich einer Druckkammerbehandlung unterziehen mußte. Gestaunt habe ich jedoch, als ich hierfür die Rechnung über umgerechnet 3500 Mark präsentiert bekam. Dabei war ich ja noch ein leichter Fall.
Es kann aber auch schlimmer kommen. Viele Fälle von Querschnittslähmungen bis hin zum Tod sind bekannt und jedes Jahr geschehen weitere Unfälle.
Mal ehrlich: Wissen Sie auf Anhieb, wer für Sie die Kosten in einem Notfall und die bei möglichen Spätfolgen anfallenden Aufwendungen übernimmt? Falls nicht, geht es Ihnen so wie den meisten.

Hier ist also ein Überblick zu allen wichtigen Versicherungen für Sporttaucher und den damit verbundenen Besonderheiten. Um die Leistungsunterschiede der einzelnen Versicherungsgesellschaften zu erfragen habe ich an mehrere Unternehmen einen umfangreichen Fragebogen gesandt. Die meisten haben erfreulicherweise prompt und ausführlich geantwortet. Das Ergebnis ist in der Tabelle nachzulesen.

 

Wer in einem Arbeitsverhältnis steht, ist in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Sie zahlt bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit eine Rente, sogar unabhängig von der Ursache der Krankheit oder des Unfalles, die dazu führte. Ebenfalls ist er auch durch die gesetzliche Unfallversicherung versichert, jedoch sind nur Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie Unfälle auf den direkten Wegen von und zur Arbeitsstätte versichert. Ein Versicherungsschutz für Unfälle bei Freizeitaktivitäten ist nicht möglich. Angestellte Tauchlehrer sind im Rahmen ihrer Tätigkeit in der BRD gesetzlich versichert.

 

Jedes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse erhält unabhängig von der Art des ausgeübten Sports Kosten für Heil- und Hilfsmittel, Notfalltransporte sowie für ärztliche Behandlungen ersetzt; hierzu gehört auch eine ärztlich angeordnete Druckkammerbehandlung. Versicherungsschutz besteht nur innerhalb Deutschlands. Für Reisen innerhalb Europas kann ein Auslandskrankenschein beantragt werden, wobei auch im Ausland Kostenersatz nur nach den dort üblichen Kassensätzen geleistet wird. Da der Schutz der gesetzlichen Versicherungen meistens nicht ausreicht, ist der Abschluß von individuell zugeschnittenen privaten Versicherungen notwendig.

 

Bei gesetzlich Krankenversicherten empfiehlt sich deshalb für den Auslandsaufenthalt eine Auslandskrankenversicherung. Diese erstattet im Ausland entstehende Kosten für die ärztliche Behandlung (hierzu gehört auch eine ärztlich angeordnete Druckkammer-Behandlung), den Transport zum nächsten Krankenhaus nach einem Unfall sowie Heil- und Hilfsmittel nach Vorleistung der gesetzlichen Krankenkasse. Zahlt diese gar nichts, übernimmt die Auslandskrankenversicherung den vollen Betrag. Meistens sind auch die Kosten für einen Rücktransport in die BRD mitversichert bzw. im Todesfall die Kosten für die Überführung. Auch eine Zusatzversicherung für stationäre Krankenhausaufenthalte, die privatärztliche Behandlungen und den Zuschlag für das 1- oder 2-Bettzimmer bezahlt, ist sinnvoll. Hier ist häufig die Auslandskrankenversicherung beitragsfrei mitversichert. Privat Krankenversicherte haben auch beim Tauchsport vollen Versicherungsschutz. Der Geltungsbereich ist von den vereinbarten Tarifen abhängig. Hierzu ein Tip: Schließen Sie auch als Mitglied einer privaten Krankenkasse für den Urlaub eine Auslandskrankenversicherung ab. Arztkosten im Ausland sind dann hierüber versichert und Sie erhalten sich Ihren Beitragsrückerstattungsanspruch.

 

Mit zu den wichtigsten Versicherungen zählt die private Unfallversicherung. Sie zahlt bei Invalidität, bei Krankenhausaufenthalt und bei Tod infolge eines Unfalles einen vorher vereinbarten Betrag. Die Versicherungssummen - als wichtigste Leistungsart gilt hier die Invaliditätssumme - sollten deshalb dem Einkommen und Lebensstandard angepaßt sein und helfen nach einem Unfall, Aufwendungen für Umbauten (Haus, Auto etc.), Anschaffungen oder Verdienstausfall zu finanzieren. Im Rahmen der Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen besteht auch beim Tauchen Versicherungsschutz gegen alle üblichen Unfälle, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: "Ein Unfall liegt vor, wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis (Unfallereignis) unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet". Hiernach sind Verletzungen, wie sie in jedem anderen Lebensbereich auftreten können (z.B. Schnittwunden, Knochenbrüche etc.) versichert. Natürlich umfaßt dies auch Unfälle durch Gerätefehler, Kontakt mit einem Boot oder den "so häufigen" Hai-Angriff.

Die Grenzen finden sich in der Absicherung anderer tauchtypischer Gesundheitsschäden, ohne daß ein Unfallereignis im Sinne dieser Bedingungen gegeben ist. So sind gemäß dieser Definition weder Barotraumata, Deko-Schäden noch andere tauchtypische Gesundheitsschäden versichert, da hier die "Plötzlichkeit des Ereignisses" fehlt. Gerade die sind aber die häufigste Folge von Tauchunfällen. Da diese Unfallfolgen ja schlimmstenfalls auch zur völligen Arbeitsunfähigkeit oder Vollinvalidität führen können, bieten manche Versicherungen den Einschluß der folgenden Klausel an, die auch vom Verband der Schadenversicherer (VDS) empfohlen wird: "Als Unfälle gelten auch der Ertrinkungstod bzw. Erstickungstod unter Wasser sowie tauchtypische Gesundheitsschäden (wie z.B. Caissonkrankheit und Trommelfellverletzungen), ohne daß ein Unfallereignis, d.h. ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis, festgestellt werden kann." Als Sporttaucher sollte man auf diese Vereinbarung besonderen Wert legen!

 

Die in Deutschland verbreitetste Versicherung ist nicht ohne Grund die private Lebensversicherung. Sie sichert die Altersversorgung und im vorzeitigen Todesfall die Hinterbliebenen ab, die von Seiten der gesetzlichen Versicherungen in der Regel nicht ausreichend versorgt sind. Wenn Sie bei Antragstellung den Tauchsport bereits ausüben, muß dies im Antrag angegeben werden; eventuell wird ein Risikozuschlag erhoben. Unabhängig davon, ob eine Erwerbsminderung durch Unfall oder Krankheit eingetreten ist, zahlt die private Berufsunfähigkeitsversicherung (BUZ) bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit eine monatliche Rente, die als Ergänzung zu den Renten der gesetzlichen Versicherungen sehr empfehlenswert ist. Sinnvoll ist der Einschluß in die bestehende oder neu beantragte Lebensversicherung, denn hier ist dann gleichzeitig eine Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit mitversichert. Auch hier gilt bei Antragstellung sinngemäß das gleiche wie für die private Lebensversicherung.

 

Wie jede Person ist auch der Sporttaucher in Ausübung seiner sportlichen Tätigkeit für alle Schäden, die er vorsätzlich oder fahrlässig Dritten zufügt, in unbegrenzter Höhe haftbar (§823 BGB). Sofern er das Tauchen nicht beruflich oder gewerblich (z.B. als Tauchlehrer) betreibt, genügt hier eine moderne private Haftpflichtversicherung. Wer als Selbständiger mit dem Tauchsport Geld verdient, muß eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen, da hier die private Haftpflichtversicherung keinerlei Versicherungsschutz bietet. Angestellte Tauchlehrer sind über ihren Arbeitgeber mitversichert.

 

Die Tauchsportausrüstung ist im Rahmen der üblichen Hausratversicherung zuhause ausreichend abgesichert: Unter anderem gegen Feuer, Explosions-, Einbruchdiebstahl- und Vandalismus-Schäden besteht dort Versicherungsschutz. Auch außerhalb der eigenen, versicherten Wohnung besteht Versicherungsschutz bis zu 10 % der Versicherungssumme. Und das sogar weltweit, solange sich die versicherten Sachen nur vorübergehend - begrenzt auf 3 Monate -außerhalb der Wohnung befinden. Einige Besonderheiten sind bei der sogenannten Außenversicherung zu beachten: So besteht z.B. für Schäden durch Einbruchdiebstahl nur Versicherungsschutz, wenn sich die Sachen in einem bedingungsgemäß verschlossenen Gebäude - so auch im Hotelzimmer - befinden, jedoch nicht im Auto. Da es beim Tauchen - insbesondere in heimischen Gewässern - häufiger vorkommt, daß man einiges von Wert für längere Zeit unbeaufsichtigt im Fahrzeug zurückläßt, besteht ein erhöhtes Risiko wegen Einbruchdiebstahls aus dem Fahrzeug.

 

Für diesen Fall empfiehlt sich der Abschluß einer Reisegepäckversicherung, die bei den meisten Versicherungen als langfristiger Vertrag zu vergleichsweise wesentlich günstigeren Beiträgen als die typische Urlaubs-Reisegepäckversicherung abgeschlossen werden kann. Auch gegen Diebstahl, vorsätzliche Sachbeschädigung Dritter, räuberische Erpressung, Verlieren, Transportmittelunfall oder Unfall eines Versicherten besteht hier Versicherungsschutz. Zum Versicherungsschutz gegen Einbruchdiebstahl aus unbeaufsichtigt abgestellten Fahrzeugen oder Anhängern ist zu bemerken, daß sich die Sachen in einem fest verschlossenen Innen- oder Kofferraum befinden müssen. Tagsüber zwischen 6 und 22 Uhr oder auch nachts, wenn der Einbruch während einer Fahrtunterbrechung von nicht länger als zwei Stunden passiert, bezahlt die Reisegepäckversicherung dann den Zeitwert der beschädigten oder entwendeten Gegenstände. Sehr empfehlenswert ist der Einschluß der Domizilklausel, da ansonsten nur Versicherungsschutz außerhalb des eigenen Wohnortes besteht.

 

Für die Foto- und Filmfreaks gibt es noch die Fotogeräteversicherung. Hier besteht insbesondere Versicherungsschutz gegen technische Beschädigung der Geräte. Sogar selbst verursachte Schäden wie z.B. Fallenlassen des Fotoapparates etc. sind versichert. Schäden, die während des Unterwassereinsatzes eintreten (z.B. "absaufen" der Kamera), sind allerdings nicht versicherbar.

 

Auch einige Hilfsorganisationen bieten ihren Mitgliedern Versicherungsschutz, der aber wegen den pauschalierten Versicherungssummen nur eine Ergänzung zur individuellen, auf den persönlichen Bedarf zugeschnittenen Absicherung sein darf. Viel wichtiger ist aber das Know-how, das diese Organisationen bieten. Hier ist z.B. DAN (Divers Alert Network) zu nennen (siehe auch tauchen 8/96). Auch der ADAC und die Deutsche Rettungsflugwacht stellen schnelle und kompetente Hilfe mit zum Teil eigenen Flugzeugen und Hubschraubern bereit. Neben einer immer paraten Notfall-Telefonnummer solllte also jeder Taucher ein gut geschnürtes Versicherungspaket im Gepäck haben.

 


© 1997 Heinrich Heintzmann, 35274 Kirchhain